Ins Mark

Der Kommentar zur steirischen Woche

Steiermark | aus FALTER 25/09 vom 17.06.2009

Donja Noormofidi leitet den Politikteil im steirischen Falter

Selber pssst!

Wir suchen den Mr. und die Mrs. Pssst", diesen Spruch will Bürgermeister Siegfried Nagl (VP) auf Schilder für die geplanten Ruhezonen im Stadtpark und am Schloßberg schreiben, wie er der Zeit verriet. Künftig sind dort Telefonate und laute Gespräche unerwünscht. Trotzdem gibt es einige Anmerkungen, die es sich laut auszusprechen lohnt. Eines vorweg: Nagls Initiativen für mehr Ruhe und Ordnung sind nicht alle schlecht - leider haben sie aber alle einen Haken.

Zum Beispiel das Alkoholverbot: Es gilt für die Punks am Hauptplatz, befindet man sich aber auf einer Brauchtumsveranstaltung, darf man jede Menge Bier schlucken - auch am Hauptplatz.

Die Ordnungswache ist erfolgreich, wenn es darum geht, Radfahrer im Park aus dem Verkehr zu ziehen oder Hundehalter an die Leinenpflicht zu erinnern. In jenen Parks, in denen es wirklich Probleme gibt, trauen sich die Ordnungswächter aber oft gar nicht einzuschreiten. Wie auch? Sie haben nicht die Ausbildung dafür. Das führt dazu, dass die Ordnungswächter vor allem dort für Ordnung sorgen, wo schon Ordnung herrscht.

Die Ruhezonen sind der neueste Coup des Bürgermeisters. Ruhe ist in Stresszeiten wichtig. Aber muss es dafür ein Gebot geben? Die Grazer sollen sich selbst wehren, wenn in der Straßenbahn einer zu laut telefoniert. Sie sollen sich mit der Stadt und ihren Mitgrazern auseinandersetzen und sich nicht wegen jeder Kleinigkeit auf ein Gebot berufen können. Das formt das Selbstvertrauen und die soziale Kompetenz. Sonst werden die Grazer vielleicht wirklich einmal, wie ihr Bürgermeister sie haben will - zu Mr. und Mrs. Pssst.


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