Hundert Jahre Zeitausgleich

Befindlichkeitskolumne

Steiermark | aus FALTER 25/09 vom 17.06.2009

Der 21. Juni ist der Tag des Schlafes!

Die Sommeroffensive der Grazer Polizei an neuralgischen Punkten der Stadt zeichnet sich erst mal vor allem durch zahlenmäßige Imposanz aus. Um drei bis vier Jugendliche, die auf der Wiese Pizza essen, zurechtzuweisen, rückt man gerne mit acht bis neun Beamten an. Personalien werden aufgenommen, Ernährungstipps ausgetauscht, und schnell ist der Spuk vorbei und die Jugendlichen legen sich wieder hin, um den Verdauungsschlaf zu absolvieren. Der wird nicht nur von dem unmittelbar zuvor Erlebten beeinflusst, sondern auch von der Art des Käses auf der Pizza, wie Forscher (natürlich: britische) herausgefunden haben. Besonders Frauen tendieren demnach nach dem Verzehr von intensiven Schimmelkulturen zu intensiven und mitunter sehr bizarren Träumen, etwa von Männern in Uniformen und schwarzen Einhörnern, die gregorianische Choräle singen. Die Leiter der landwirtschaftlichen Schule Alt-Grottenhof übrigens sind sowieso davon überzeugt, dass gregorianische Choräle und Käse in fruchtbarem Zusammenhang stehen. Die Beschallung der reifenden Käsekulturen im Keller der Schule soll die Mikroorganismen in Schwingung bringen und den Käse besser machen. Und damit auch den Schlaf der Menschen, es sei denn, sie lassen sich von den Handelsketten einwickeln und greifen zu Analogkäse, der vollkommen ohne Milch und dementsprechend Schimmelkulturen auskommt. Dann werden auch die Träume nur analog sein, fad und kratzig wie eine Pink Floyd-Platte.

Dramatiker Johannes Schrettle ist zwar kaum in Graz, dennoch weiß er immer was von dort zu berichten


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