Tipp Musik X

Schubert auf dem Kirtag: Dort ist das Glück

Lexikon | Carsten Fastner | aus FALTER 25/09 vom 17.06.2009

So hat man Franz Schuberts Lieder noch nicht gehört: in der charakteristischen Besetzung einer Tanzkapelle, mit Tuba und Trompete, dem süßen Hölzl der Klarinetten, mit Zither, Hackbrett, Akkordeon und Geige. Aber ohne Sänger. Franui, die Osttiroler Musicbanda, bearbeitet dreist ein Herzstück der klassischen Liedkunst als Dorfmusik und führt es so zurück an seine Inspirationsquellen. "Wo du nicht bist, dort ist das Glück" heißt das Programm. Es geht ums Wandern, um Ferne und Fremde, Einsamkeit und Sehnsucht - um immergrüne romantische Topoi mithin. Klassische Liedsänger mögen die psychologischen Tiefen dieses Schubert-Repertoires nach allen Regeln der Kunst ausgelotet haben; dessen Herkunft aber kann unter den Kronleuchtern der Konzertsäle wohl nur verleugnet werden. Franui machen sie hörbar, stürzen sich mit Leidenschaft in die Klangwelten der Dorffeste und Landpartien, der Wiener Beisln und Heurigen, die Schuberts Musik angeregt und geprägt haben. Und weil sie diese musikalische Umwelt als eine Art Blues des frühen 19. Jahrhunderts begreifen, bauen sie auch gleich ein paar Elemente aus dem Jazz, der Filmmusik, dem Cabaret ein. Geschickt gemacht ist das, fein arrangiert, virtuos gespielt und trotzdem - zum Glück - nicht allzu sauber.

Konzerthaus, So 19.30


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