Kritik

Jugendstil pur! Ohne die üblichen Verdächtigen

Lexikon | Manisha Jothady | aus FALTER 25/09 vom 17.06.2009

Er war Mitbegründer der Wiener Secession und über zehn Jahre lang an der Seite von Gustav Klimt einer ihrer bedeutenden Vertreter. Dennoch ist Josef Maria Auchentaller (1865-1949) in Vergessenheit geraten. In Überblickswerken zum Wiener Jugendstil bleibt sein Name quasi unerwähnt. Eine unveröffentlichte Doktorarbeit aus dem Jahr 1985 stellte bislang den einzigen aktuelleren Beitrag dar, seine Gemälde und Grafiken kunsthistorisch zu durchleuchten. Dieses Versäumnis mag einerseits mit dem Umzug Auchentallers 1904 nach Grado zu tun haben, der ihn vom Wiener Kunstgeschehen weitgehend isolierte. Dass sich seine Werke großteils im Privatbesitz der Erben befinden, hat den Zugang zu ihnen ebenfalls erschwert.

Die Retrospektive führt nun anhand von Gemälden, Zeichnungen, Studien, Plakaten, Entwürfen und Schmuckstücken durch alle Schaffensphasen des Künstlers. Herausragend illustriert wird dabei sein Engagement für die Jugendstilzeitschrift Ver Sacrum, bei deren grafischer Gestaltung Auchentaller federführend war. Kennzeichnend für seine Illustrationen waren Blumenmotive sowie linearstilisierte, vom japanischen Holzschnitt beeinflusste Formen. Die Wandgestaltung der Ausstellungsräume spiegelt dies wirkungsvoll wider. Darüber hinaus wird der Künstler als einfühlsamer Porträtist und Landschaftsmaler, als ideenreicher Designer von Werbeplakaten, Textilien und Schmuck vorgestellt .

Rund 300 Werke umfasst die Soloschau, die diesen unterschätzten Protagonisten des Jugendstils ins Rampenlicht stellt und damit das Bild einer Epoche vervollständigt, die man bereits als ausreichend abgehandelt betrachtet hat

Leopoldmuseum, bis 21.9.


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