Kritik

Wie und wo Japaner wohnen

Lexikon | aus FALTER 25/09 vom 17.06.2009

Wohnraum in Tokio ist knapp und teuer. Nicht selten lebt hier eine vierköpfige Familie mit Durchschnittseinkommen auf 30 Quadratmetern, ist die Küche Bad, Wohnzimmer und Schlafraum zugleich. Wie leben Japaner in Japan? Wie leben sie im Ausland? Fragen wie diese stellt Sven Ingmar Thies in den Schwarzweißaufnahmen seiner Serie "Japanese Rooms". Über einen Zeitraum von neun Jahren hat der Fotograf aus Hamburg Menschen japanischer Herkunft in ihren Privaträumen dokumentiert. Tokio, Berlin, New York, Shanghai und Wien sind die Stationen seiner Recherche, die das Landesspezifische rund um den Globus und quer durch sämtliche Gesellschaftsschichten aufzuspüren sucht.

Unweigerlich begibt man sich bei der Betrachtung auf die Spurensuche nach typisch Japanischem. Allerdings wird man nicht in jedem Bild Tatamimatten, winkende Katzenfiguren als Glücksbringer oder Lampenschirme aus Seidenpapier entdecken. Vertrautes aus dem Heimatland tritt in der Fremde viel subtiler zutage: In heruntergelassenen, halbtransparenten Rollos etwa, die an Schiebewände in traditionellen japanischen Wohnungen denken lassen.

Aufschlussreicher und optisch anspruchsvoller als die 61 ausgestellten Bilder ist allerdings das zum Projekt erschienene und mit einem Designpreis ausgezeichnete Künstlerbuch, das auch Interviews mit den Porträtierten enthält. Zwischen zwei Buchdeckeln erscheinen die Aufnahmen weniger redundant. Besser als die kleinformatigen Prints der Ausstellung vermitteln die ganzseitig gedruckten Fotos im Buch die ungezwungene und gleichzeitig intime Stimmung, welche die Serie durchgehend prägt. MJ

Museum für Völkerkunde, bis 28.9.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige