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"Optical Vacuum", ein Panoptikum der Welt

Lexikon | aus FALTER 25/09 vom 17.06.2009

Schwierig zu sagen, worum es sich dabei handelt. Um ein Hochsicherheitslabor? Um die Umkleidekabinen in einem Schwimmbad? Oder doch um ein Rechenzentrum? Es ist ein klinisch weißer Flur, dessen Ansicht ganz am Beginn von "Optical Vacuum" steht: die sinnfreie Abbildung eines jener Orte der trostlosen Monotonie, die Dariusz Kowalski aus dem Internet gefischt und für seinen Film technisch bearbeitet und mit dem Tagebuchkommentar eines befreundeten Künstlers unterlegt hat.

Was die Bilder der Überwachungskameras zeigen, sieht in Japan nicht viel anders als in Norwegen aus, in New York nicht viel anders als in Wien: nächtliche Straßenecken, menschenleere Waschsalons, verlassene Strandpromenaden, triste Großraumbüros, in denen einzig Computer wachen - ein Panoptikum der Welt, das allerdings niemals zur Betrachtung gedacht war.

Manchmal passt Stephen Mathewsons auf Kassette gesprochener Text zu den Images, manchmal driften Ton und Bild weit auseinander. "I'm confused", gesteht der Erzähler, der sich abwechselnd als Maler, dann als Hockeyspieler und schließlich als Musiker zu erkennen gibt. Nun, das kann ihm niemand verübeln.

David Bordwell, amerikanischer Filmtheoretiker, fühlte sich bei "Optical Vacuum" an Klassiker von Hans Richter und Dziga Vertov erinnert und kommt zu dem Schluss, die Überwachungskamera habe den Avantgardefilm neu erfunden: "Diese blöden Kameras können gar nicht anders, als die Realität in etwas anderes zu verwandeln. Sie wissen es halt nicht besser."

Anlässlich der Präsentation von Sixpackfilm, bei der neben "Optical Vacuum" noch "Beacon" von Christoph Girardet und Matthias Müller (D 2002) gezeigt wird, findet ein Publikumsgespräch mit Dariusz Kowalski und Stephen Mathewson statt. MO Top-Kino, 17.6., 19.00


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