Musiktheater Kritik

Flugstunde mit Dämon

Steiermark | Wolfgang Kühnelt | aus FALTER 25/09 vom 17.06.2009

Oper ist eine besonders künstliche Kunstform, bei der nichts den Tatsachen entspricht", so Hans Werner Henze, Schöpfer der Märchenoper "L'Upupa und der Triumph der Sohnesliebe". Im Grazer Mumuth inszeniert Christian Pöppelreiter dieses vor Metaphern strotzende "deutsche Lustspiel" als luftig-leichte Heldensaga in elf arabisch angehauchten Tableaus mit reichlich Überlänge. Der junge Kasim (kraftvoll gesungen von David Park) soll mit seinen beiden Brüdern für den alten Vater einen goldenen Vogel, die L'Upupa, holen. Ihm zur Seite steht ein Dämon (mit viel komödiantischem Talent Andrejus Kalinovas), der Kasim mit seinem Fluggerät kutschiert. An Hindernissen stellen sich nicht nur Herrscher, Tyrannen und Dikatoren (herausragend Vaida Raginskyte als Sultan Malik) in Kasims Weg, sondern auch seine Brüder Adschib und Gharib, die lieber Bier aus Puntigamer-Dosen schlürfen, als ihm zu helfen.

Nach allerlei Abenteuern hält der Held eine schöne jüdische Braut namens Badi'at (Ksenija Kovacic), den goldenen Vogel und eine Wunderkiste in Händen. Der Vater (Patricio Ramos Pereira) erlebt eine mysteriöse blaue Stunde und verabschiedet sich ins Jenseits.

Henzes orchestrale Stimmungsbilder, die Anklänge an Mozart genauso beinhalten wie Filmmusik-Elemente und Soundeffekte, werden von Pöppelreiter in zauberhafte Licht-, Textil- und Farbenspiele übersetzt. Das junge Orchester KlangImPuls wird von Wolfgang Schmid souverän geführt. Eine ausgesprochen sehenswerte Aufführung, auch wenn bei dem einen oder anderen jungen Sänger Stimmkraft und Bühnenpräsenz weiter auf dem Lehrplan stehen sollten.

Mumuth, Fr und So 19.00


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