Kritik

Schreckensgespenster des Faschismus

Lexikon | Manisha Jothady | aus FALTER 26/09 vom 24.06.2009

Auf Homepages veröffentlichen sie Namen und Adressen von ideologisch anders Gesinnten. Sie randalieren, dringen in fremde Wohnungen ein, tragen die Uniform und die rot-weiß gestreifte Fahne der magyarischen Faschisten der Nazizeit. Rechtsradikale Jugendliche in Ungarn. Durch die Ausschreitungen in Budapest im Herbst 2006 – die ungarische Revolution jährte sich zum 50sten Mal – rückten sie erneut in den Fokus der Weltnachrichten.

Das Thema lässt auch Csaba Nemes nicht mehr los. Schauplätze von Massendemonstrationen und Übergriffen nimmt der ungarische Künstler schon seit längerem ins Visier. Auch die mediale Inszenierung politischer Ereignisse bringt er in seinen Arbeiten mit ins Spiel. Die bewusste Vermeidung von Naturalismus und Dokumentarismus ist kennzeichnend für Nemes, der sich mehr als Protokollant denn als politischer Kommentator versteht. Medienbilder und alte Fotografien dienen ihm als Vorlage für seine nun unter dem Motto „Jeden Tag ist 1956“ ausstellten Malereien, welche die kommunistische Ära ebenso zitieren wie die aktuelle politische Lage.

Das Kernstück der Ausstellung ist allerdings ein Film, der die hohle Ideologie des Rechtsextremismus, dessen lächerliche Attitüden grandios entlarvt.

Knoll Galerie, bis 31.7.


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