Neu im Kino

Zwei Stars suchen die Liebe auf den zweiten Blick

Lexikon | Michael Pekler | aus FALTER 26/09 vom 24.06.2009

Ob Harvey am Ende seine letzte Chance nützt, erfährt man nicht. Wichtiger ist, dass er sie als älterer Herr überhaupt erkennt. Dass er als Musiker endlich keine Werbejingles mehr komponiert. Und dass er dem Stiefvater seiner Tochter, der diese schon zum Altar geführt hat, nicht auch noch die Rede an der Hochzeitstafel überlässt. Harvey entdeckt sozusagen die wichtigen Dinge des Lebens, aber im Kino.

Dass es überhaupt so weit kommt, verdankt er neben einem wirklich üblen Drehbuch einer neuen Frau an seiner Seite, denn bei den Familienfeierlichkeiten in London trifft der graumelierte New Yorker eine Britin mit Zopf: Die Flughafenangestellte Kate quält sich mit einer lästigen Mutter herum, findet den Sinn des Lebens in Literaturkursen und macht vermutlich deshalb insgesamt keinen besonders glücklichen Eindruck.

In „Liebe auf den zweiten Blick“ („Last Chance Harvey“) stellt sich der 38-jährige Drehbuchautor und Regisseur Joel Hopkins also vor, wie das sein könnte, wenn zwei Menschen, die zusammen über 100 sind, noch einmal die Liebe entdecken. Sie machen Spaziergänge an der Themse, warten mit Blumen und sehen Straßenkünstlern bei der Arbeit zu. Und wären die beiden nicht Dustin Hoffman und die selbst in einer Schreckrolle formidable Emma Thompson, man würde ihnen die zweite Chance nicht gönnen.

So sieht man einen Film, der jede Szene ausbuchstabiert, obwohl von zwei erstrangigen Schauspielern mit wenigen Blicken und Gesten bereits alles gesagt und gezeigt ist. Leider wird sich für Hoffman und Thompson die Chance, diesen Film noch einmal zu drehen, nicht erfüllen, und da hilft es auch gar nicht, dass sie bei der Hochzeit am Kindertisch sitzen. Ab Fr in den Kinos (OF im Haydn).


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