Neu im Kino

Pubertät im Dauerfeuer – „Transformers: Die Rache“

Lexikon | Drehli Robnik | aus FALTER 26/09 vom 24.06.2009

Wird ein Roman, Comic oder Game verfilmt, gibt es immer Fans, die den Film für der Vorlage unangemessen befinden; im Fall der „Transformers“-Blockbuster, basierend auf zu Autos umbaubaren Kampfrobotern für Kinder ab drei, nörgelt wohl kein Fan.

Dabei weicht „Transformers: Die Rache“ noch mehr als Teil eins von der Vorlage ab; Michael Bays Militärleistungsschau betont etwas, das in den Spielsets keine Rolle spielt: üppige Sinnlichkeit. Erstens sind Roboter, die einander als Alliierte bzw. Feinde der Menschheit bekriegen, im Kino größer und lauter als in echt (also zeitweise sehr imposant). Und ständig lässt das Bilddesign Sonnenlicht auf bronzener Haut, auf Metall, auf Explosionsstaubwolken spielen, als malerisches Markenzeichen für ein Überangebot an unser Sensorium. Das Sonnige macht den Film zugänglicher für kleine Leute, die von dem zweiten Zusatz-Input an Sinnlichkeit wohl genug gefordert sind: Hier wird pubertiert, dass es nur so staubt. Der Held reift und reift, gestresst als Uni-Freshman und Objekt weiblicher Liebesforderungen; seine Eltern führen ihm „American Pie“-haft penetrant vor, worum’s im Leben geht: um Sex. Und um Krieg: Das sagen alle anderen Grown-ups.

Angesichts solch praller Verheißungen sind die Transformers als Bubenerfahrungstool ambivalent: Erlauben sie, am Kinderzimmeridyll festzuhalten, oder Wandelbarkeit und Mobilität, also Pubertät und Krieg, zu trainieren? Vielleicht harmonieren Kind und Krieg aber eh perfekt: Wie hier im Endlos-Showdown Special Forces lustig in Pyramiden, Felstempel und anderes Tourismuskapital des Nahen Ostens reinballern (während der echte Präsident dort um Sympathie wirbt), das ist nur noch kindisch.

Ab Fr in den Kinos (OF im Haydn).


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