TheaterKritik

Intrigen, Dekadenz und Gianna Nannini

Steiermark | Anja Reiter | aus FALTER 26/09 vom 24.06.2009

Spaßgesellschaft, Zickenkriege, Kaufrausch: Was aussieht wie ein Abziehbild unserer Zeit, hat Carlo Goldoni bereits 1762 in seiner „Trilogie der Sommerfrische“ bekundet. Regisseur Tobias Sosinka und Astrid Kohlmeier können in ihrer Neubearbeitung für die Kunstuni Graz getrost auf zwanghafte Aktualisierungen verzichten – sie wissen, dass sich die Menschheit in den 250 Jahren in vielerlei Hinsicht nicht geändert hat.

Im italienischen Liverno buhlen der mittellose Leonardo (Jürgen Heigl) und der reiche Guglielmo (Paul Mareschum) um die flatterhafte Giacinta (Michaela Klamminger). Die selbstbewusste Bürgerstochter mit einer Stimme, die Glas schneiden könnte, ist zwar mit dem einen verlobt, liebt jedoch den anderen. Zu allem Überdruss kommt auch noch der Sommer mit seinen unlösbaren Problemen: Wer fährt mit wem auf Sommerfrische, mit welchen Kleidern und vor allem mit wessen Geld?

Im romantischen Amphitheater neben dem Palais Meran werden Intrigen gesponnen, Zickenkriege à la Paris Hilton ausgetragen und alberne gesellschaftliche Zwänge berücksichtigt. Ständig kommt dabei die Habgier den ganz großen Gefühlen in die Quere. In Liebesdingen müssen junge Leute Mobilität beweisen, und das vor allem des Geldes wegen. Glücklich scheint hier jedoch niemand zu werden.

Dafür hat das Publikum umso mehr zu lachen: Italoklischees treffen auf südländisches Temperament, wilde Gestikulationen und vor allem auf ein engagiertes studentisches Schauspielensemble. Es ist eine charmante Inszenierung, die Lust auf Sommerspritzer an der Adria, Gianna Nannini und streitende Italiener am Strand macht. Denn anderen Leuten beim Zanken zuzusehen, ist immer noch die schönste Form der Unterhaltung.

Park des Palais Meran, Sa, So 20.30


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