KunstKritik

Taubenspikes und Eskapismus

Steiermark | Ulrich Tragatschnig | aus FALTER 26/09 vom 24.06.2009

Das Forum Stadtpark hat den vielleicht attraktivsten öffentlichen Raum in Graz vor seiner Tür. Da liegt eine spartenübergreifende Auseinandersetzung mit dem Thema freilich denkbar nahe. Zu den Interventionen, die sich derzeit anschicken, den Stadtpark ansatzweise neu zu denken, passt die aktuelle Ausgabe der Ausstellungsreihe „Plateau – Raum für zwei“ ganz fabelhaft, hat Eva Martischnig diesmal doch zwei Künstler eingeladen, sich mit dem Standort zu beschäftigen und dabei auf jene Kontroversen einzugehen, die im Stadtpark aufgrund unterschiedlicher Nutzungsinteressen genau so bunt und kräftig blühen wie die bieder abgesteckten Blumenbeete.

Johanna Kirsch und Bernhard Hosa haben dann aber recht prinzipielle Überlegungen zu gesellschaftlich installierten Grenzverläufen angestellt und sich dabei auch noch gut ergänzt: Während Bernhard Hosa soziokulturelle Normen in eher mühevoller Recherche ausforscht, um sie anschließend ästhetisch zu kommentieren, übt sich Johanna Kirsch in eskapistischen Performances wie ihrem zur Eröffnung gebotenen „Versuch Nr. 4.3 der Zivilisation zu entkommen“. Den Multiple-Joice-Test, mit dem in Deutschland zwischen psychisch krankem und normalem Rechtsbruch unterschieden wird, überlagert Hosa mittels hausgemachter Airbrushtechnik oder fragt sich, wie viel Raum einem Häftling durchschnittlich so zusteht. Während seine sinnbildlich gemeinten Installationen nicht immer so leicht reingehen wie die mit Taubenabwehrspikes besetzte Sitzbank ohne Titel, arbeitet Kirsch weit empathischer, wenn sie ihren Teil des Raums mit Transparenten vollhängt, die erst noch mit Sinn zu füllen wären.

Forum Stadtpark, bis 9. 8.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige