Nachrichten aus dem Inneren

Die Redaktion erklärt sich selbst

Falter & Meinung | Klaus Nüchtern | aus FALTER 26/09 vom 24.06.2009

Im modernen Fußball muss bekanntlich jeder auf jeder Position spielen können. Das löst bei unsereinem, dem schon das Konzept der Manndeckung zu komplex war, schwere Überforderungsängste aus. Deswegen bin ich auch in der Kulturredaktion gelandet: Da macht einer Genrekino, der andere postdramatisches Theater, die eine neofigurale Fotografie und die nächste Retro-Funk-Punk. In der eher neoliberal aufgelegten Politikredaktion sind immer alle für alles zuständig – Faschismus und Verkehrspolitik. Und damit nicht genug! Die drängen auch noch ins Föjetong. Seit Jahren etwa versucht ein ungenannt bleiben sollender Kollege uns einen großen AC/DC-Essay unterzujubeln. Aber wie Helge Schneider so treffend singt: „Den lassen wir nicht rein, er will bestimmt nur wieder klaun. Ja Äppel klaun aus meinem Garten, das das scheint dem Herrn zu gefallen.“

Wer natürlich schon rein darf, ist die Brodnig Ingrid. Weil die geht auch raus – dorthin, wo’s wehtut; wo an Pommesfrittesvergiftung und bizarr hohen Testosteronwerten laborierende junge Männer zu Heavy Metal ihre Genitalien schwenken. Das muss man mögen. Brodnig mag es auch nicht, aber sie hat keine Mühen und der Verlag hat keine Spesen gescheut, und so ist die Brodnig Ingrid in der ostburgenländischen Steppe durch den Dreck gerobbt, in dem vergangenes Wochenende das Nova-Rock-Festival stattfand. Die Feste-Dach-über-dem-Kopf-Fraktion des Feuilletons ist schwer beeindruckt, echt.


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