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Pressekolumne

Medien | Matthias G. Bernold | aus FALTER 26/09 vom 24.06.2009

Dem Phänomen der Soushoku Sanshi, wörtlich übersetzt bedeutet das „Grasfresser“, widmete sich dieser Tage das lesenswerte amerikanische Onlinemagazin Slate. Mit der abfälligen Bezeichnung meint die japanische Gesellschaft Männer, die sich abseits der üblichen machistischen Ideale (Sex mit Sekretärinnen, protzige Uhren und Ansaufen nach Feierabend) für Stille, Natur und ein weniger konkurrenzbetontes Leben begeistern. Bis zu 60 Prozent der jungen Männer bezeichnen sich inzwischen sogar selbst als Soushoku Sanshi. Die Bewegung liegt so stark im Trend – berichtet Slate –, dass sie von der japanischen Öffentlichkeit als existenzbedrohend eingestuft wird. Wird ihr doch die Mitschuld für den Rückgang des Konsumwillens und der Geburtenrate gegeben. „Ich verbrachte einmal die Nacht mit so einem Typ“, zitiert Slate eine erschütterte junge Frau, „und nichts ist passiert!“ Da – muss man sagen – hört sich tatsächlich jeder Spaß auf. Bleibt zu hoffen, dass Europa dieser Trend erspart bleibt.


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