Die Kunst ein Krimi und Sigmund Freud ihr Detektiv

Feuilleton | aus FALTER 26/09 vom 24.06.2009

Das Liechtenstein Museum und das Sigmund Freud Museum widmen sich Eros & Thanatos und der Psychoanalyse

Rezension: Manisha Jothady

Kühl blickt die schöne Judith auf den Betrachter herab, in der linken Hand den abgetrennten Kopf des Holofernes. In der Sicht des florentinischen Barockmalers Cristofano Allori wird der Tyrann zum willenlosen Opfer einer verführerischen und grausamen Geliebten. Nicht der Heldin, die das israelische Volk aus der Fremdherrschaft der Babylonier befreite, gilt seine Sympathie, sondern dem, dessen Kopf in einem Sack landete.

Ob Sigmund Freud die Enthauptung des Feldherrn wohl anders gedeutet hätte, wenn ihm Alloris Bild bekannt gewesen wäre? Seiner Interpretation der Bibellegende nach tötete Judith Holofernes, weil er ihr die Jungfräulichkeit genommen hatte: die Enthauptung als Symbol für Kastration und Penisneid.

Der Vater der Psychoanalyse hat die Künste – sofern sie mythologischen Inhalts waren – schon früh als unentbehrliche intellektuelle Helfer auf


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