Ins Herz der Finsternis

Feuilleton | aus FALTER 26/09 vom 24.06.2009

Die ÖNB zeigt alte Landkarten, die viel mehr erzählen als nur von der Geografie

Rezension: Carsten Fastner

Ein König thront in wallendem Gewand, die prächtige Krone auf dem Haupt, das Szepter in der Linken und in der Rechten einen Batzen Gold. In hochherrschaftlicher Haltung, ausgestattet mit allen Insignien der Macht, empfängt er einen Gesandten aus dem fernen, fremden Norden. Die Szene, fein gezeichnet und koloriert im Jahre 1375, wäre weiter kaum bemerkenswert – gäbe es da nicht ein überraschendes Detail:

Der König ist schwarz. Und der Gesandte, ein Kaufmann wohl, der dem afrikanischen Monarchen ehrfürchtig entgegentritt, ist weiß. Vom Bild des „wilden Negers“, das den europäischen Blick auf Afrika in den kommenden Jahrhunderten – und zum Teil bis heute – prägen sollte, ist in dieser Begegnung noch nichts zu ahnen.

Die mittelalterliche Zeichnung ziert im sogenannten Katalanischen Weltatlas ein erstaunlich präzises Kartenblatt des nördlichen Afrika, etwa im Gebiet

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