Gespielte Erinnerungen: Denkmal für eine Fabrik

Feuilleton | aus FALTER 26/09 vom 24.06.2009

Mit der Dokufiktion „24 City“ setzt Regisseur Jia Zhangke seine faszinierende Chronik der chinesischen Gegenwart fort

Filmkritik: Joachim Schätz

Arbeiter verlassen die Fabrik Nr. 420: Wie in einem modernistischen Remake des Lumière-Urfilms von 1895 strömen blau uniformierte Menschenmassen auf Fahrrädern aus einem Werksgelände. Die Arbeiter werden wiederkommen, bloß die Fabrik wird ihnen im Lauf des Films abhanden kommen.

Auf dem Grundstück mitten in der zentralchinesischen Wirtschaftsmetropole Chengdu soll für finanzstarke Einwohner und Gäste der Luxuswohnkomplex 24 City entstehen. Die nächste Totale auf die Werkstore dokumentiert bereits die Demontage der Firmeninsignien von der Gebäudefront. Drinnen wird einstweilen zwischen Schutthaufen weitergearbeitet.

Wie zuletzt im Trümmerdrama „Still Life“ (2006) macht Chinas bester Gegenwartsregisseur Jia Zhangke auch in „24 City“ den rasenden kulturellen und ökonomischen Wandel Chinas an einer sehr konkreten Umwidmung von


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