Stadtrand

Urbanismuskolumne

Stadtleben | Christopher Wurmdobler | aus FALTER 26/09 vom 24.06.2009

Dubiose Streicheleien mit welken Rosen

Ist man böse, kaltherzig und gemein, entbehrt man aller Empathie, wenn man einem kleinen Mädchen mit Rotznase, dass einem beim Samstagskaffee am Yppenplatz die Wange tätschelt und eine welke Rose hinhält, nichts gibt? Nein, aus, basta, du bekommst kein Geld! Genauso wenig wie der Bub mit der abgegriffenen Migrantenzeitung, der fünf Minuten vorher da war und genervt hat. Währenddessen sitzen ein paar Erwachsene, offensichtlich Angehörige der Bettelkinder, im Schatten unter Bäumen und schauen, was passiert. Und Bobohausen? Findet’s lustig. Spendet munter, nein, die Rose kannst behalten. Das Geld ist sicher irre gut investiert, fließt zu 100 Prozent in die schulische Ausbildung der Kleinen, Studium und Zukunft sind gesichert. Von wegen! Die Alten im Schatten, die da ihren Nachwuchs betteln schicken, haben wohl andere Pläne. Wer Romakindern helfen will, kauft keine Rosen zum Schein, sondern unterstützt Hilfsorganisationen. Und, bitte, die fürchterliche Ziehharmonikamusik, geht die auch ein bisschen weniger penetrant?


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