Viel reden, wenig Sinn

Stadtleben | aus FALTER 26/09 vom 24.06.2009

Malaise Ligasystem? Eine Fußballkalenderjahresmeisterschaft wäre ein Lösungsvorschlag

Kommentar: Johann Skocek

Bundesliga und ÖFB wollen die zweite Leistungsstufe (heißt: Erste Liga) von zehn auf 16 Vereine aufstocken. Weil Experten glauben, dass Vereine dadurch Kosten senken können und in der Ersten Liga fortan kostengünstig Halbprofis herumlaufen. Gleichzeitig sollen die drei Regionalligen Ost, West und Mitte abgeschafft werden. Die Landesligen (voller billiger Amateurfußballer) wären dritte Leistungsstufe. Am 25. Juni entscheidet darüber die Bundesliga.

Herbert Prohaska hält das für Nonsens, er ahnt, dass weder Erst- noch Landesligisten freiwillig auf das ruinöse Wettrüsten verzichten. Und das Niveau wird fallen. Andere Experten wie Ex-Bundesliga-Chef Reitinger schwören dagegen auf die Reform.

Das Problem: Kein Ligaformat der Welt wird überehrgeizige Funktionäre mit Hang zum Selbstruin mäßigen. Das kann nur ein verpflichtender Ausgabenrahmen wie der Salary Cap im US-Profisport. Aber darauf werden sie sich nie einigen.

Die sportliche Malaise entsteht nicht aus dem Ligaformat. Sie folgt eher aus der Sommerpause, wenn unausgeruhte und ungeheilte Profis sich zu kurz auf die Saison vorbereiten. Wie demnächst bei der Qualifikation für Europacup und Champions League.

Lösungsvorschlag: eine Kalenderjahresmeisterschaft wie in Russland oder Norwegen. Wie so oft ist diese Reform eine Vision von Trägern der Macht (Bundesliga-Präsident Pucher), Funktionsträgern (U21-Coach Herzog) und Interessenvertretern (Red-Bull-Sportchef Hochhauser). Fantasiemangel schadet aber nicht. Denn mehr als rausfliegen aus dem Europacup können sie eh nicht.


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