Hundert Jahre Zeitausgleich

Befindlichkeitskolumne

Steiermark | aus FALTER 26/09 vom 24.06.2009

Dramatiker Johannes Schrettle ist zwar kaum in Graz, dennoch weiß er immer was von dort zu berichten

Revolution, Respekt, Religion

Das Mantra der Religionslehrer, Mediatoren und Mentalcoaches war auch stets präsent bei der letzten Grazer Lichterkette: Es ist immer besser, FÜR etwas zu sein als DAGEGEN. So fließt nur positive Energie, allerdings NICHT auf den Asphalt, Tropfschutz ist unbedingt notwendig. Immerhin steht der soziale Frieden auf dem Spiel und der ist in Zeiten wie diesen der einzige Standortvorteil, den wir noch haben. Dabei sollte man sich wieder mal an den großen Grazer Autor Jakob Lorber erinnern, dem im neunzehnten Jahrhundert alle seine Texte von Jesus persönlich in die Feder diktiert wurden und der schrieb, dass die Reichen bis zu einem großen Teile für ihre schändliche Eigenliebe und Habsucht gezüchtigt werden sollen.

Er schrieb allerdings nicht so genau, wer diese Aufgabe übernehmen sollte. Das ist sowieso auch das Problem unter den Revolutionären: Die einen haben keine Zeit, und die anderen sind schon zu müde. Die Jungen wünschen sich nichts sehnlicher, als dass sie die Zeit halbwegs unbeschadet überstehen, bis sie sich ins Café setzen können und zu den nächsten Generationen sagen können: Ihr müssts das machen, wieso ihr den Oarsch net hockkriegts, das versteh ich nicht!

Dann kriegen die Jungen wenigstens Schuldgefühle und saufen sich einen an aus Kummer und treten vielleicht wenigstens ein paar Scheiben ein. Oder sie schreiben Graffiti: ERDBEEREN FÜR ALLE!


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