Phettbergs Predigtdienst

Ein Viertel des Himmels trug er!

Kolumnen | aus FALTER 26/09 vom 24.06.2009

Hermes Phettberg führt seit 1991 durch das Kirchenjahr

Als ich letzthin am Weg zum Essenholen war, zog gerade die Fronleichnamsprozession vorbei, und es schüttelte mich ob der Traurigkeit meines Lebens. Da kam eine Frau des Weges und sagte, ich möge nicht verzagt sein, und gab mir ein Heftchen von „Mutter Maria“. Das half mir auch nicht viel, und ich weinte still weiter, denn die circa 300 Leute hatten eine Heimat – und ich habe keine.

Nächsten Tags beim Essenholen lernte ich dann zufällig einen dermaßen attraktiven Typen kennen, dass ich wieder nur weinen konnte. Er berichtete, dass er einer der Himmelträger der Fronleichnamsprozession gewesen sei. Ein Viertel des Himmels trug er! Wir standen uns voller Sympathie gegenüber, er fest r.k. gläubig und ich an eine Gottheit nicht und nicht glauben könnend ... Ein See von Tränen breitet sich zu meinen Füßen aus! Sie wissen alles, Duhsub! So wie es blanke Schimäre ist, dass ich je nach Kohlrabi schmecke noch dass ich je nach Kohlrabi rieche, so wird sich je der Himmelträger in mich „verlieben“.

Ja, Millionäry bist du, wenn du jung und attraktiv bist. Da wirst du von allen Seiten belagert. Aber wenn du körperlich nichts mehr „leisten“ kannst, vergessen dich alle. Und ich kann bestätigen, dass ich nichts mehr kann, außer in sexueller Not mich zu befinden. Aber auf diesem kurzen Weg schwebte ich im Liebesglück. Ich hab keine Kraft mehr, Strategien zu entwickeln, was Begehren und Gegenbegehren betrifft. Utopie total!

Betrachtet die christliche Kirche einmal als Philosophie mit dem riesen Theaterstück als Höhepunkt, das jedes Jahr zu Fronleichnam aufgeführt wird. Die jesuitische soziale Idee des geteilten Brotes, das gebrochen und hergezeigt wird und für alle ein Vielfaches des Sättigungsgrades erreicht. Jesus muss auch zum Verlieben schön gewesen sein!

Was will ich noch, außer sehnen und begehren? Ich weiß nicht, wie viele Meere zu durchschwimmen wären, um die vielen abgeschickten Flaschenposttrümmer herauszufischen ... Wer verzweifelte da nicht! Einsamkeit ist mein Zustand. Leere total – und Sekunden des Glücks, wenn ein Mann in Bluejeans des Weges kommt. Der Himmelträger trug zwar einen Anzug, hat aber sicher einige schmutzige Hosen in Reserve, zur Not. Ich bin total benommen von ihm!

Die ungekürzte Version des Predigtdienstes ist über www.falter.at zu abonnieren.

Unter www.phettberg.at ist wöchentlich neu zu lesen, wie Phettberg strömt


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