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Die Redaktion erklärt sich selbst

Falter & Meinung | Klaus Nüchtern | aus FALTER 27/09 vom 01.07.2009

Was ist die Aufgabe von Literatur: eine Welt abzubilden oder eine Welt zu schaffen? Solche Fragen diskutierte man dieser Tage auch beim Bachmann-Wettbewerb – natürlich nicht zum ersten Mal. Was ist die Aufgabe der Medien: die Wirklichkeit abzubilden oder sie neu zu vermessen? Das ist eher peinlich pathetisch formuliert, wird aber in der Redaktionskonferenz Woche für Woche diskutiert, weil man sich ja zwischen der Skylla der Mainstreampampa (hehe, das Wort ist praktisch unlesbar!) und der Charybdis schrulliger Individualvorlieben hindurchnavigieren muss. Die ausgefeilten Argumente lauten: „Das will man lesen!“ versus „Das will man nicht (mehr) lesen“.

Soweit, so subtil. Im Falle von Michael Jackson hat sich die Auffassung „Man will was lesen, aber man will nicht alles noch mal lesen“ durchgesetzt, weswegen Gerhard Stöger sich dann mit einem schlanken, aber kompakten Nachruf beschieden hat. Dass die Welt sich darauf geeinigt hat, Michael Jackson für einen einflussreicheren Entertainer zu halten als, sagen wir, Ernst Molden, ist uns nicht entgangen. Das Urteil der Welt soll auch gar nicht angezweifelt werden (obwohl man sich nach den Konsens-eruptionen des Wochenendes schon fragen mag, warum man kein einziges Michael-Jackson-Album besitzt), aber wir haben den Eindruck: Die Welt weiß es jetzt auch. Und vielleicht sollte man sich jetzt mal mit Ferdinand Waldmüller befassen? Aber ganz sicher sollte man.


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