Kommentar

Wie der Winkler Sepp einmal nicht literarisch genug war

Literatur und Politik

Falter & Meinung | Klaus „Cloud“ Nüchtern | aus FALTER 27/09 vom 01.07.2009

Was ist das nur mit diesen österreichischen Schriftstellern mit ihrer ewig folgenlosen, schmutzfreudigen Rebellionspose?“, überkam Johan Schloemann in der Süddeutschen Zeitung der austroskeptische Furor, nachdem er Josef Winklers Eröffnungsrede zum Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb gehört und sie als jämmerliche Themenverfehlung enttarnt hatte. „Kein Auftakt für neue deutschsprachige Literatur, sondern ein Fall für den Gemeinderat.“

Ja, was ist los mit diesen ewig angrührten Ösis, dem Winkler Sepp, dem Menasse Bertl, der Jelinek Elfi und dem Bernhard Tommi, dem Schloemann immerhin konzediert, dass er es „wenigstens richtig gut“ konnte – was auch immer; das Schimpfen vermutlich, denn die Preisreden, die man seit kurzem in Buchform nachlesen kann, sind ja ein totaler Topfen.

Man kann an Winklers Rede kritisieren, sie würde den (schon im letzten Buch thematisierten) tödlichen Unfall eines Buben für wohlfeile Polemik instrumentalisieren und die rhetorische Volte, man hätte dessen Tod „buchstäblich aus dem Asphalt gestampft“ als unappetitlich empfinden. Und gewiss ist die Verschwendung öffentlicher Gelder auch ein Thema für den Gemeinderat.

Nur: Wir sind hier nicht in Konstanz oder Castrop-Rauxel oder sonstigen Weltgegenden mit einer entwickelten politischen Öffentlichkeit, sondern in Klagenfurt. Und wenn da jemand just in dem Augenblick, in dem auch Kameras und Mikrofone aus dem Ausland auf die kulturbeflissen herausgeputzte Stadt gerichtet sind, die Frage stellt, wie lange sich die Bevölkerung von „räuberischen Politikern“ noch ausbeuten lassen wolle, ist das vollkommen berechtigt. Manchmal muss man in der Kirche furzen.


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