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Telefonkolumne

Politik | aus FALTER 27/09 vom 01.07.2009

Soll ein kaltgestellter Postler Polizist werden, Herr Palensky?

Vergangene Woche überraschte Beamtenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) mit dem Vorschlag, nicht benötigte Postbeamte für Administrativarbeiten bei der Polizei einzusetzen. Martin Palensky, stellvertretender Zentralbetriebsratsvorsitzender der österreichischen Post AG, ist der Idee nicht abgeneigt.

Herr Palensky, was halten Sie vom Vorschlag der Beamtenministerin?

Der Vorschlag war für uns sehr überraschend. Wir mussten über die Medien davon erfahren. Generell sind wir gesprächsbereit, weil wir zugegebenermaßen in einem Personalpool Mitarbeiter sitzen haben, die neuen Perspektiven nicht abgeneigt sind. Nun warten wir das konkrete Konzept ab.

Unter welchen Bedingungen wäre dieses Modell für Sie vorstellbar?

Erstens, der Wechsel muss freiwillig passieren. Zweitens muss die bisherige Karriere des Mitarbeiters gewürdigt werden. Also weder soll der Mitarbeiter, der bei der Post bereits eine Karriere hinter sich gebracht hat, bei null anfangen. Noch soll er weniger verdienen als bisher. Drittens muss der Job eine langfristige Perspektive bieten. Was wir nicht wollen: dass Beamte durch diese Maßnahme über die Hintertür abgebaut werden.

Wie viele Mitarbeiter befinden sich derzeit in diesem Personalpool?

Aufgrund von Technisierung und Umstrukturierung sitzen mehrere hundert Mitarbeiter teilweise seit Jahren im Karriere- und Entwicklungscenter. Manche davon haben zwar bereits einen Job in einem anderen Geschäftsfeld gefunden. In vielen Fällen haben die Mitarbeiter aber zugegebenermaßen nichts zu tun. Und der Mensch ist ja von Grund auf so ausgerichtet, dass er beschäftigt werden will.

Das heißt, es gibt bei der Post Beamte, die dafür bezahlt werden, nichts zu tun?

Ja, es gibt Mitarbeiter, die dazu verdammt sind zu warten. Das liegt aber nicht an ihnen selbst, sondern am Management. Wir kritisieren dieses Vorgehen von Beginn an.

Interview: Stefan Apfl


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