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Pressekolumne

Medien | Matthias G. Bernold | aus FALTER 27/09 vom 01.07.2009

Wochenlang wetteiferte die Sportpresse darum, die Geräuschentwicklung der portugiesischen Tennisspielerin Michelle Larcher De Brito in Worte zu fassen. Minenbeschuss, schrieb die Sun. „Als würden ihr die Fingernägel ausgerissen“, analysierte die Times. Den eindringlichsten Vergleich brachte der Guardian: „Wie ein Fuchs, der einen Häcksler deckt.“ Hier zeigte sich ungeheures Kreativpotenzial. Ein winziger Anlass genügt, und die journalistische Schaffenskraft bricht hervor. Ärgerlich ist nur, wenn die Außenwelt keinen Kooperationswillen zeigt. So schlugen die „Grunzometer“ der Reporter nicht aus, als die 16-Jährige Portugiesin vergangene Woche in Wimbledon fast lautlos über dem Platz hetzte (und prompt verlor). Beim French Open hatte sie noch mit 110-Dezibel-Seufzern für Empörung gesorgt. Noch enttäuschender als Larcher De Brito ist die Deutsche Sabine Lisicki. Wegen einer Rasenallergie stimmlos geworden, besiegte sie die Österreicherin Patricia Mayr in stillen zwei Sätzen. Was soll man da schreiben? „Buh!“, vielleicht.


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