Enthusiasmuskolumne

Diesmal: die beste Suspense-Story der Welt der Woche

Feuilleton | Klaus Nüchtern | aus FALTER 27/09 vom 01.07.2009

Fuck you very much!

Ein Mann wird erschossen, eine Frau stürzt sich vor die U-Bahn. Der im Mordfall recherchierende Journalist wird hellhörig, als sich herausstellt, dass es sich bei der Toten um die Mitarbeiterin eines mit ihm befreundeten Politikers handelt und die beiden ganz offenbar ein Verhältnis miteinander hatten. Im Zuge der Recherchen stellt sich heraus, dass a) die Frau doch nicht Selbstmord begangen hat und b) die beiden Morde miteinander zu tun haben.

Das ist die Ausgangslage eines Polit-Thrillers, der alles zu bieten hat, was man von diesem Genre erwarten darf. Wobei „State of Play“ in der Filmfassung von Kevin Macdonald („The Last King of Scotland“) eigentlich ein unüblich keuscher Film ist: Für eine Lovestory bleibt in den zwei Stunden einfach keine Zeit. Was auch ein Grund ist, der BBC-Serie gleichen Namens und Inhalts von 2003 den Vorzug zu geben. Mit sechs Episoden und insgesamt 340 Minuten hatte diese erheblich mehr Spielraum, Figuren zu entwickeln, Handlungsstränge zu verfolgen und Konflikte zuzuspitzen: In London ging es zwischen dem Journalisten und der Frau seines Freundes noch zur Sache, in der US-Version war da mal was – schade, denn der Anblick von Robin Wright Penn tut nicht wirklich sehr weh.

Auch andere Nebenhandlungen und -figuren bleiben etwas unterversorgt, weswegen Jason Bateman (aus der ziemlich lustigen Serie „Arrested Development“) nur einen verschenkten Cameo-Auftritt hat. Sei’s drum – man sollte sich sowieso beide Versionen zu Gemüte führen, denn die Unterschiede zwischen dem grandiosen britischen Serienstar John Simm und Russell Crow (sechs Jahre älter, sieben Zentimeter größer, geschätzte 30 Kilo schwerer) gehen über die Vitalstatistik weit hinaus.

Subtil und schön aber auch die Korrespondenzen: Wie der flamboyant-zynische Zeitungsherausgeber Cameron Foster (Bill Nighy) zur hyperreschen Cameron Lynne (Helen Mirren) mutiert, ist ein großes Vergnügen. Sie hat den besten Satz – er steht im Titel.


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