„I vasauf an Doppla Speiseöl, weu vom Wossa wiasd ned fett!“ — Wienerisch als restaurative Utopie betrachtet

Feuilleton | aus FALTER 27/09 vom 01.07.2009

Dass Wien Wien bliebe, stellt Karl Kraus zufolge eine gefährliche Drohung dar. Mittlerweile braucht man die Veränderungsresistenz nicht mehr zu fürchten: Wien ist längst eine moderne Großstadt, was angesichts der Flagshipisierung der Innenstadt aber auch kein Grund für ungetrübte Freude ist und die Frage aufwirft, ob das Bewahrende immer auch reaktionär sein muss. Anlass, diese beherzt zu verneinen, geben Kräfte wie Kollegium Kalksburg oder Die Strottern, deren Fortführung weniger des Wienerlieds als des Wienerischen selbst ein restauratives Moment innewohnt, das indes nicht reaktionär ist.

Wien wird hier weniger wiedergefunden, als wiedererfunden. Auf ihrem zu Recht „Elegant“ betitelten Album greifen Klemens Lendl und David Müller, vulgo Die Strottern – kongenial begleitet von acht Mannen der in kluger Zurückhaltung, aber effektiv agierenden Jazzwerkstatt –, auf ein Reservoir an Worten, Gesten und Attitüden des Wienerischen zurück, das in der Realität nur höchst


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