Die Militarisierung der Seele

Feuilleton | aus FALTER 27/09 vom 01.07.2009

Endlich ist Géza Ottliks legendärer Internatsroman „Die Schule an der Grenze“ ins Deutsche übersetzt worden

Buchkritik: Sigrid Löffler

Ungeschoren kam keiner davon. Alle haben sie vom ersten Tag an Haare lassen müssen – die Zöglinge der Militärunterrealschule an der ungarisch-burgenländischen Grenze. Als Elfjährige rückten sie im September 1923 im Internat ein, als wohlerzogene, empfindliche und arglose Buben, zumeist aus gutbürgerlichen oder adeligen Familien aus Budapest. Erst nahm man ihnen die Zivilkleider ab und steckte sie stattdessen in schwarze Waffenröcke; dann wurden ihnen die Köpfe kahl geschoren. Derart normiert und uniformiert hatten sie sich im Gleichschritt in das „Bataillon“ einzureihen, wie die Gesamtschülerschaft der Kadettenanstalt genannt wurde. Doch erst nach dem Kahlscheren begannen für die Neulinge die eigentlichen Scherereien, in aller Ratzfatzrigorosität.

Von diesen Scherereien handelt Géza Ottliks Roman „Die Schule an der Grenze“, der


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