Die Nummer 1 vom Wienerwald

Feuilleton | aus FALTER 27/09 vom 01.07.2009

Das Belvedere versucht das altbackene Image des Malers Ferdinand Georg Waldmüller zu revidieren

Revisor: Matthias Dusini

Der Prozessionszug ist ins Stocken geraten. Vorne ist eine erschöpfte Frau auf dem Felsen niedergesunken, ein Bauer reicht ihr eine Flasche zur Labung. Die Szene ist in ein unheimliches Licht getaucht; es ist nicht die milde Sonne Arkadiens, sondern ein kaltes, grünlich-gelbes Morgengrauen.

Und noch eine ästhetische Störung hat der Maler Ferdinand Georg Waldmüller (1793–1865) in dem Bild „Die Hilfeleistung“ (1853) vorgesehen. Wie in vielen anderen Bildern wird das Zentrum von einer Dreiecksformation beherrscht. Das Dreieck hält hier aber nicht die Figuren einer Szene zusammen, sondern wird durch eine schroffe Felswand gebildet.

Der demokratische Blick

Man könnte diesen Blick auf Mensch und Natur gleichgültig nennen, durchaus auch im demokratischen Sinne: Nicht der große, historische Augenblick, sondern das Nebensächliche und Zufällige rückt in den Mittelpunkt.


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