Stadtrand

Urbanismuskolumne

Stadtleben | Joseph Gepp | aus FALTER 27/09 vom 01.07.2009

Invasion der Sackmenschen

Alle paar Jahre fallen die Sackmenschen in der Stadt ein. Sie wanken durch U-Bahn-Stationen, bizarr, zombiegleich, vor Kälte bibbernd. Alte Damen, türkische Jugendliche, Familienväter, alle können sie Sackmenschen sein, solang das Haar wirr in die Luft ragt, solang den Frauen die Schminke in Schlieren über das Gesicht rinnt. Und solang – und das ist ihr konstitutives Merkmal – sie monströse Plastiksäcke tragen, menschenunwürdig, mit Ketchup- oder Gatschspritzern übersät, eingerissen, sodass hinter ihnen die Fetzen im Wind flattern. Die Sackmenschen könnten einer endzeitlichen Kommune entflohen sein. Oder der Feder eines opiumberauschten Schriftstellers entstammen, der in düsteren Bildern eine gleichgeschaltete Welt entwirft. Dabei war ja nur Donauinselfest. Es hat geregnet, also verteilten Medien wie Ö3 oder Kurier zu Tausenden Regenschutzüberwürfe mit Logos. So schlägt die Stunde der Sackmenschen. So tauchen sie auf, in Armeestärke, alle paar Jahre, bevor sie – dem Himmel sei Dank – schnell wieder verschwinden. Auf ihre Heimatplaneten.


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