Kritik

Zuerst kaputt machen, dann erschaffen

Lexikon | aus FALTER 27/09 vom 01.07.2009

Die gescheiterten Utopien der Moderne. Kein anderes Thema scheint die Kunst der letzten Zeit so zu beschäftigen wie dieses. Als inflationär mutet es daher zunächst an, wenn nun die Generali Foundation mit der Schau „Die Moderne als Ruine“ den Versuch unternimmt, die unerfüllten Träume der Architekturavantgarde im Spiegel der Kunst zu illustrieren. Das Unterfangen ist allerdings geglückt. Vielleicht deshalb, weil es den Status quo von Lebensverhältnissen beschreibt und sich nicht um idealisierte Neuentwürfe bemüht.

Dass die Architektur nur einen Rahmen vorgeben dürfe, der von den Bewohnern nach eigenen Vorstellungen ausgefüllt werden soll, führte den Architekten und Theoretiker Yona Friedman in den späten 50er Jahren zu Modellen für flexible Wohnformen. Wie düste, zeitgenössische Interpretationen seiner Thesen lesen sich Rob Voermans trashige Architekturhybride, die Wohnraum als Mangelware ebenso thematisieren wie die Schwierigkeit unkonventionell zu leben. Prekäre Stadtrandgebiete, die vor dem Hintergrund sozialer Utopien erbaut zu Pulverfässern der Gewalt mutieren, beschäftigen Cyprien Gaillard, dessen Film „Desniansky Raion“ zu den Highlights der Ausstellung zählt. Isa Genzkens wunderschöne Fensterskulpturen scheinen im Kontext der Ausstellung gegen den Verfall zu revoltieren, der im filmischen Slumporträt von de Rijke und de Rooij Alltag ist.

Neben Yona Friedmann bilden Meilensteinpositionen aus den 1970ern wie Robert Smithson und Gordon Matta-Clark das theoretische Fundament für die im Untertitel der Schau anvisierte „Archäologie der Gegenwart.“ Und diese führt zu dem Schluss, dass es wieder einmal an der Zeit ist, sich neu zu orientieren. MJ

Generali Foundation, bis 20.9.(


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