Neu im Kino

Vater, Tochter, Wikinger: „Wir sind alle erwachsen“

Lexikon | Michael Omasta | aus FALTER 27/09 vom 01.07.2009

Albert ist Bibliothekar, sein Leben so geordnet wie die Bücher im Tiefspeicher der Pariser Nationalbibliothek. Zusammen mit Jeanne, seiner Tochter, die in Kürze ihren 17. Geburtstag feiert, bringt er die Sommerferien jedes Jahr in einem anderen Land zu: Italien, Deutschland, heuer ist Schweden an der Reihe. Doch ihr Bildungsurlaub an der schwedischen Westküste gestaltet sich anders als geplant; ihre Vermieterin vor Ort hat Termine durcheinander gebracht, und als Albert und Jeanne in dem vermeintlich leer stehenden Strandhaus eintreffen, finden sie die Hausherrin Annika und deren Freundin Christine darin vor.

„Wir sind alle erwachsen“ heißt im Original „Les Grandes personnes“ und ist so oder so ein sanft ironischer, sogar irreführender Titel. Vielmehr erzählt Anna Novions erste Spielfilmarbeit eine Geschichte vom Kindsein und vom Erwachsenwerden. Albert zum Beispiel ist, bei aller Sorge um die Erfüllung seiner väterlichen Pflichten, selbst immer noch ein Kindskopf, der sich mit einem Metalldetektor auf die Spuren eines legendären Wikingerschatzes begibt. Jeanne wiederum sieht, dem Vater zuliebe, ihm jeden Spleen nach. Erst unter dem Einfluss von Annika und Christine, den zwei Mittvierzigerinnen, ändert sich das Vater-Tochter-Verhältnis nach und nach. Jeanne beginnt sich für einen Burschen zu interessieren und Albert muss einsehen, dass seine Tochter kein Baby mehr ist: Scheißinsel! Scheißschatz!!

Ein schöner, vor allem schön gemachter Film. Bei der Gestaltung hat sich Regisseurin Novion, die selbst eine halbe Schwedin ist, vom Licht und dem Wind der kargen Inselwelt inspirieren lassen. Und von Gemälden von Vilhelm Hammershoi, einem Maler des späten 19. Jahrhunderts, der als „dänischer Vermeer“ und speziell für seine Rückenansichten in sich ruhender Frauen bekannt ist.

Ab Fr in den Kinos (OmU im Votiv)(


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