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Doku mit Schmäh: „Gibellina — Il terremoto“

Lexikon | Michael Omasta | aus FALTER 27/09 vom 01.07.2009

Der kunstsinnige Ludovico Corrao war 25 Jahre lang Bürgermeister von Gibellina, einer sizilianischen Kleinstadt, die im Jänner 1968 durch ein Erdbeben zerstört wurde; seinem Konzept des (moralischen) Wiederaufbaus der Gemeinde durch Kunst indes war nur bedingt Erfolg beschieden. Das neue Gibellina gleicht einer Geisterstadt. Auf den Straßen lassen sich kaum Menschen blicken, vor den Tourismusbüros nur zwei streunende Hunde. Es sei halt keine sizilianische Stadt, bedauert der junge Anwalt, der inzwischen das Bürgermeisteramt bekleidet, sondern wie aus der Schweiz importiert.

„Gibellina – Il terremoto“, der erste lange Regiefilm von Kameramann Joerg Burger, zeichnet sich durch hintergründigen Schmäh aus. Kommentarlos zeigt er die Artefakte und Bauten, die Italiens moderne Künstler seit den 70eer-Jahren auf Einladung der Stadt hier errichtet haben. Die große Piazza heißt Joseph Beuys; das Dach einer neuen Kirche von Ludovico Quaroni stürzte 1972 noch vor der Eröffnung ein; Ziegenherden grasen neben der Baustelle, bis heute werden die Gottesdienste in der Schule oder dem Gemeindezentrum abgehalten.

Weiterhin im Schikaneder (OmU)


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