Noch im Kino

Schuld kommt ans Licht: „State of Play“

Lexikon | Drehli Robnik | aus FALTER 27/09 vom 01.07.2009

Ein zotteliger Zeitungsjournalist (Russell Crowe) recherchiert einen Doppelmord in Washington sowie eine Affäre, die den Ruf seines Jugendfreundes (Ben Affleck) ruiniert; dieser hat als Kongressabgeordneter einen skrupellosen Security-Konzern angeprangert. Der Enthüllungsplot von „State of Play“ bietet Überraschungen, etwas Action und manch empörten Sager: Amerika verrät seine Werte, die Presse droht alle Kritik dem Gewinn zu opfern etc.

Mehr als Drama und Pathos regiert hier allerdings ein Realismus allseitiger Zerknautschtheit. Alles wird von irgendetwas „runtergezogen“; das gilt für den Handlungsnotstand, der Moralmaßstäbe senkt, für die Wampe, die Crowe unter einem als Hemd getragenen Zelt herumführt, und für das Kramuri, das hier die Bilder füllt, wie die Papierberge auf Büroschreibtischen oder Pinboards. Wenn alles zugeräumt und beschriftet ist, auch die Glaswände, durch die hier oft gefilmt wird, wie soll man da etwas erkennen? Indem man Intransparenz gerade als Bedingung für Durchblick begreift: Man muss beherzt hinein ins Echte und Dichte, ins Kramuri all der Praktiken, die Menschen zu Quellen und Recherchen zur Erpressung machen; das lehrt Crowe seine Adeptin (Rachel McAdams), die bislang bloß bloggte.

Wie in Kevin MacDonalds Vorgängerfilm „Last King of Scotland“ sind auch hier alle unsauber; als heroische Geste bleibt nur das Eingeständnis dieser bitteren Wahrheit vor uns, dem Publikum als Öffentlichkeit. Der Bürgersinn, den „State of Play“ ausstellt, ist melancholisch, konservativ und Kino-nostalgisch: Er lässt 1970er-Politkrimis anklingen und beschwört „alte“ Medien des enlightenment, die mit Lettern bzw. Licht moralisieren: Zur Schlusssequenz, die zeigt, wie eine Zeitung entsteht, singen CCR „Long As I Can See the Light“.

Weiterhin im Kino (OF im Burg und Haydn)


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