Buch der Stunde

Anja Hirsch | Lexikon | aus FALTER 27/09 vom 01.07.2009

Der aus New York stammende Publizist Michael Greenberg (er schreibt unter anderen für die Village Voice und die New York Review of Books und hat eine Kolumne in Times Lite-rary Supplement) musste erleben, wie seine 15-jährige Tochter der Wirklichkeit abhanden kam. Darüber hat er – mit ihrem Einverständnis – aus der Distanz von einigen Jahren ein Buch geschrieben. Greenberg erzählt aus der Sicht des begleitenden Angehörigen, der nach dem Kollaps alles neu überdenkt. „Der Tag, an dem meine Tochter verrückt wurde“ ist der bewegende Versuch, in diese einsame andere Wirklichkeit vorzudringen.

Kann man Wahnsinn erahnen? Sendet er Vorboten? Falls ja, dann hat Michael Greenberg die Zeichen nicht erkannt. Froh, dass Sally frühe Schulschwierigkeiten in den Griff bekommen hat, sieht er sie den Triumph genießen – obsessiv vertieft in Bach und Shakespeare-Sonette, zu denen sie eifrig Notizen macht. Der Vater hatte sie gegenüber skeptischen Lehrern stets verteidigt. Nun aber stutzt

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