TheaterKritik

Russisches Drama mit steirischem Charme

Steiermark | Anja Reiter | aus FALTER 27/09 vom 01.07.2009

Menschen sind selbstsüchtig, eigennützig und geizig. Sie lügen, sie schmeicheln, sie stehlen, sie betrügen. Der vielschichtige und tiefgründige Charakter der Menschheit steht auch bei Anton Tschechow im Mittelpunkt. In der Schlosstenne Burgstall kann man ihn in rustikaler Atmosphäre ergründen.

Genauso wie der Mensch nicht vollkommen ist, ist es auch die Theaterproduktion „Running Tschechow“ nicht. Doch das tut deren Charme keinen Abbruch. Ganz im Gegenteil.

Drei Einakter des russischen Dramatikers hat die Kulturinitiative kürbis auf die Bühne gebracht. Sie gehören zu Tschechows Bekanntesten: „Über die Schädlichkeit des Tabaks“, „Der Bär“ und „Der Heiratsantrag“. Letzterer bleibt wohl am ehesten in Erinnerung.

Viel Leidenschaft und Elan bringen die Laienschauspieler auf, um das Schicksal des Gutsbesitzers Vasiljevic Lomov darzustellen. Christian Frießnegg beeindruckt als jähzornig-hypochondrisches Nervenbündel, das sich um jeden Willen mit der Nachbarstochter (Julia Krasser) vermählen möchte. Allerdings scheitert der Heiratsantrag an Lomovs cholerischem Wesen. Frech und scharfzüngig sind die Dialoge mit der schnippischen Nachbarstochter, und sie zeigen zugleich die Banalität und die Komik alltäglicher Situationen auf. Es muss nicht immer ein abendfüllendes Werk sein, um ein feines Psychogramm des menschlichen Charakters zu zeichnen, jedoch erfordert dies ein gutes Einfühlungsvermögen der Schauspieler. Den meisten gelingt die Auseinandersetzung mit ihrer Figur auch.

Alles in allem eine charmante Inszenierung (Peter und Stefan Eisner) in romantischer Umgebung. Bei Schönwetter finden Teile der Aufführung sogar im Freien statt. Das passende Abendprogramm an lauen Sommerabenden, nicht nur für Heiratswillige.

Schlosstenne Burgstall, Do u. Mi 20.00, So 16.00


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige