KunstKritiken

Blechschüsseln und edle Vasen

Steiermark | Ulrich Tragatschnig | aus FALTER 27/09 vom 01.07.2009

Und wieder keine kinderfreundliche Ausstellung im Grazer Kunstverein. Die Millimeterarbeit, die dort Pernille Kapper Williams in die Präsentation ihres Ensembles von Art-déco-Fundstücken auf edlem Tafellackpodest investiert, mag Tapser kleiner Händchen gar nicht. Freies Assoziieren vor dem ausgebreiteten Material schon eher. Immerhin steht mit den sorgsam von ihr in und auf pipifein gezimmerte Buchenholzschachteln positionierten Parfumflakons, Modeillustrationen, Vasen, Lampen und nutzlosen Kugeln aus Belgischem Marmor nicht nur eine Kunstrichtung zur Debatte. Sondern auch eine Bewegung, die nicht einfach nur verspielt mit den Dingen des täglichen Gebrauchs und mit solchen, die niemand braucht, umging, sondern aus der klugen, eher schlichten aber noch lange nicht puristischen Form noch klügere Lehren auch dafür zog, was man heute Lebenseinstellung nennen würde.

Via Präsentationsformat lässt sich die Bedeutung der Dinge gewiss noch weiter aufladen, die Korrespondenzen, die sich daraus ergeben, wärmen den intellektuellen Beobachter sicherlich. Alle anderen werden bei Nora Schultz besser bedient. Bei ihr geht es nicht so sehr um die Reinheit kühner Form. Die Bleche aus der Fahrzeugindustrie, die sie ohne Scheu vor zu viel Beulen von Hand biegt und an Schnüren in Balancen bringt, erinnern nur noch entfernt an das Chassis motorisierter Augenweiden, sind so unschuldig in Form gebracht, dass man keine Schwierigkeit hat, sofort an zutiefst skulpturalen Qualitäten Maß zu nehmen und sie auf das Verhältnis von Last und Tragen zu befragen. Das soll man aber wiederum nur mit den Augen tun.

Grazer Kunstverein, bis 5. 9.


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