Und bist du nicht willig: Alain Buffard erzählt den „Erlkönig“ als traumatische Performance

Extra | aus FALTER 28/09 vom 08.07.2009

Text: Wolfgang Kralicek

Der französische Tänzer/Choreograf Alain Buffard hat für seine preisgekrönte Performance „Les Inconsolés“ eine ungewöhnliche Quelle angezapft: Basis des Stücks ist Goethes Ballade „Der Erlkönig“ (1782). Die Mär vom sterbenden Knaben, der im Fieber von einem sagenhaften Erlkönig fantasiert, der ihn verführt („Gar schöne Spiele spiel ich mit dir“) und bedroht („Und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt!“), wird in Buffards Stück in die wiederkehrenden Traumbilder eines traumatischen Erlebnisses übersetzt.

Die Musik stammt von Franz Schubert (dessen Vertonung der Ballade ist Opus 1 im Werkverzeichnis) und der bizarren Industrialband Throbbing Gristle. Die drei Tänzer – neben Buffard selbst tanzen Matthieu Doze und Christophe Ives – stellen sowohl Halbwüchsige als auch Erwachsene, Angepasste und Rebellen, Opfer und Täter dar. „Wildeste Begierde steht Seite an Seite mit schlimmstem Ekel“, schrieb die Kritikerin von Libération.

Der 1960 geborene Alain Buffard gehört zu den führenden französischen Choreografen. Bei ImPulsTanz war er erstmals 2003 vertreten, mit „Good Boy“ und „Wall Dancin’ – Wall Fuckin’“ – als er mit seiner Partnerin Regine Chopinot auf einer Bühne tanzte, die durch eine Mauer in zwei Hälften geteilt war. Im Jahr darauf ließ er in „Mauvais Genre“ das Solo „Good Boy“ von 20 Kolleginnen und Kollegen nachtanzen.

„Les Inconsolés“ heißt auf Deutsch „Die Untröstlichen“. Aber es wäre falsch, das Stück nur auf missbrauchte Kinder zu beziehen. „Ich glaube überhaupt, dass man nicht getröstet werden kann“, sagt Alain Buffard.

Les Inconsolés 4.8., 21.00, Museumsquartier, Halle G


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