Kritik

George Clooney brennt, Kate Moss schaut zu

Lexikon | Manisha Jothady | aus FALTER 28/09 vom 08.07.2009

Schauspieler Hugh Grant platzt bei Paparazzi mitunter der Kragen. Einmal soll er einen Vertreter dieser lästigen Gilde sogar mit Gemüse beworfen haben! Das in den Medien vielbeschworene Ende der Privatsphäre hat im Leben der Promis schon längst Einzug gehalten. In den Arbeiten von G.R.A.M. spielt es seit 1997 eine Rolle. „café paparazzi“ nennt das Künstlerduo sein aktuelles Setting, das mit Getränkeautomat, Sitzgelegenheiten, Zeitschriften und Sound nicht nur ein wohliges Gastro-Ambiente versprüht. Denn vor allem werden hier Fragen nach der medialen Konstruktion von Wirklichkeit aufgeworfen. Stars wie Jack Nicholson, Dennis Hopper und Kate Moss wurden dafür ganz im Stil des Sensationsjournalismus fotografiert. Als spitzfindige Auseinandersetzung mit Themen wie Voyeurismus und Täuschung erweisen sich diese Aufnahmen aber erst in der Zusammenschau mit Bildern, die – ja, wen eigentlich ... zeigen? Die aus dem Hauseingang stolpernde Dame könnte doch … sein? Und die beiden auf der Yacht, sind das nicht …?

Mit Paparazzimethoden nehmen die Künstler Nichtprominente ebenso ins Visier wie Celebritys. Ein bestechend einfaches Verfahren, das aber so viel über Bildstereotypen und unsere Sehgewohnheiten aussagt. Zwischen Fact und Fiction liegt eben nur ein schmaler Grat. Erst wenn aus George Clooney’s Körper Flammen züngeln, verstehen wir ein Bild als konstruiert.

Die Protagonisten von G.R.A.M. agieren aber nicht nur als Motivjäger, sie verewigen sich als solche auch selbst im Bild. Bei der Verhaftung von Schockrocker Alice Cooper zum Beispiel sind sie deshalb ganz selbstverständlich mit dabei.

Christine König Galerie, bis 1.8.


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