Kritik

Eiszapfen an der Decke und Steine im Mund

Lexikon | aus FALTER 28/09 vom 08.07.2009

Skurrile Erzeugnisse wie eine Marmeladebrotstreichmaschine und ein Moskitofänger aus Lenkstange, Haarspray und Feuerzeug tragen seine Handschrift. Die 2007 im Suhrkamp Verlag erschienene Fremdwörterbuchsonette stammt dagegen aus ihrer Feder. In der Galerie Martin Janda amalgamieren der Künstler Johannes Vogl und die Lyrikerin Ann Cotten derzeit ihr kreatives Potenzial.

Gemeinsam haben sie ein raumgreifendes „Kaiserpanorama“ geschaffen, das auf diverse Aspekte der Kulturgeschichte anspielt. Die aus Kartons, Lampen und Hockern zusammengezimmerte Installation greift die Idee jener Guckkästen auf, die sich noch Ende des 19. Jahrhunderts trotz der Erfindung des Kinos großer Beliebtheit erfreuten. Bildserien mit 3-D-Effekt informierten das damalige Publikum über neue technische Entwicklungen oder Forschungsreisen. Sie boten den Besuchern aber auch reine Unterhaltung und versüßten so manchen Alltag. Dabei war den historischen Kaiserpanoramen – allein der Name lässt darauf schließen – eine gewisse imperialistische Geste der optischen Wirklichkeitsaneignung eigen. Eine Geste, die Vogl und Cotten durch die ästhetisch bewusst sperrige Ausformulierung ihres Objekts wohl zu unterwandern beabsichtigen.

Denn um das Erzeugen und gleichzeitige Entstellen künstlerischer Wirklichkeitsentwürfe scheint es in der Ausstellung zu gehen. Sei es, dass Vogl Naturphänomene künstlich herstellt, indem er etwa einen Eiszapfen mittels Kühlaggregat am Gefrierpunkt hält. Sei es, dass Cotten in Toninstallationen den Mitteilungswert von Sprache persifliert, wenn sie zeigt, dass es sich mit einem Stein im Mund ganz schlecht „spreckchen läfft“. Optisch und akustisch absolut zu empfehlen! MJ Galerie Martin Janda, bis 24.7.


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