TheaterKritik

Talisman in Gamlitz: Nestroys Flaschengeist

Steiermark | Hermann Götz | aus FALTER 28/09 vom 08.07.2009

Wunderschön ist sie, die Südsteiermark, per Autobahn bestens zu erreichen, und der Wein wird auch jedes Jahr besser (fast egal, wie das Wetter so war). Nur für ein Problem gibt’s bislang keine wirklich befriedigende Lösung: Wer sich aus den benachbarten urbanen Zentren hier heraus begibt, tut das fast ausnahmslos mittels Personenkraftwagen und kann sich folglich den gebotenen Genüssen nur eingeschränkt hingeben.

Mit den Sommerfestspielen Gamlitz bietet das Winzerpaar Monika und Wilfried Schilhan (er im zweiten Leben Musiker und Elvis-Fan, sie Schauspielerin) zumindest eine Alternative zum halbtrockenen Buschenschankbesuch: Man amüsiert sich vor der idyllischen Kulisse des weiten Weinlands über Nestroys „Talisman“, kostet in der Pause ein bis zwei Gläschen und nimmt nach dem Schlussapplaus das eine oder andere Flascherl mit nach Haus. Dass die Sache dem Eigenmarketing dient, wird gar nicht groß verheimlicht, auch sonst gehen bei diesem Nestroy Anspielungsreichtum und Productplacement Hand in Hand.

Man sitzt zwischen den Weißburgunderstöcken des Jägerbergs (einer von Schilhans bester Lagen) und der 2008 ganz im Sinne ambitionierter zeitgenössischer Winzerarchitektur erbauten Weinmanufaktur Crocodile Rock. Aber keine Angst: Regisseur Reinhold Ulrych zeigt den „Talisman“ ganz bescheiden als steirischen Schwank, mit Dirndln, Lederhosen und Akkordeonbegleitung; zünftig, süffig, flott. Das Ensemble, bestehend aus Laien und Schauspielern, die man mehrheitlich aus dem Grazer Theater im Keller kennt, hat jedenfalls seinen Spaß, allen voran das Winzerpaar sowie Bernd Sracnik als polternder Titus Feuerfuchs und Agnes Julia Redl als sympathische Salome Pockerl.

Weinmanufaktur Schilhan, Gamlitz, Fr, Sa 19.30


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