KritikAustellung

Das Leben ein Werk: „Being Nikolaus Harnoncourt“

Steiermark | Thomas Wolkinger | aus FALTER 28/09 vom 08.07.2009

Mit dem Anspruch, „eine ganz andere Ausstellung“ zu Nikolaus Harnoncourt zu gestalten, hat sich Margareth Otti, mit wissenschaftlicher Unterstützung von Johanna Fürstauer, im Grazer Stadtmuseum daran gemacht, Werk, aber auch Privatleben des Musikers und Dirigenten, dessen 80. Geburtstag diesen Dezember zu feiern sein wird, tiefer zu ergründen. „Being Nikolaus Harnoncourt“ wolle, wie Stadtmuseumsdirektor Otto Hochreiter zur Eröffnung betonte, jedenfalls keine Ausstellung sein, in der man „Bücher im Stehen“ lesen müsse.

Ganz ohne Leseanstrengung kommt die Schau, sonst luftig und mit viel Detailliebe in vier Haupträumen aufgefächert, freilich nicht aus. Auch müssen die Videos, die im ersten und der Bühnenarbeit Harnoncourts vom Zürcher Monteverdi-Zyklus bis zum letztjährigen styriarte-„Idomeneo“ gewidmeten Raum zu sehen sind, durchaus im Stehen betrachtet werden. Ein unmittelbareres Klangerleben hätte man sich in diesem Raum, den man gleichsam durch das Ohr des Maestro betritt, doch erwartet.

Wer aber an den Arbeitsprozessen Harnoncourts interessiert ist, Freude an Werkpartituren findet, wird in der Ausstellung voll auf seine Kosten kommen. Ein kleines Glanzstück: ein von Harnoncourt – der sich hier als mit dem Schnitzmesser fast ebenso begabt wie mit dem Dirigentenstock erweist – mit einem grimmigen Kopf verzierter Nachbau eines Barytons, an dem deutlich wird, wie weit sein Concentus Musicus das Prinzip der historischen Aufführungspraxis zu treiben bereit war. Sinnlicher sind die beiden Räume zum Privatleben Harnoncourts geraten. Ein familiärer „Foto-Wald“, die vom Großvater angelegte Familienchronik, handgeschnitzte Marionetten, mit denen Harnoncourt als 17-Jähriger erstmals an die Öffentlichkeit trat, sind da etwa zu sehen.

Ein von Hochreiter und styriarte-Intendant Mathis Huber herausgegebenes Buch zur Ausstellung verdichtet das Bild – weniger wissenschaftlich-vertiefend denn atmosphärisch-würdigend.

Stadtmuseum, Graz, bis 28.2.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige