Meinesgleichen

Aus der weiten Welt der Meinung

Falter & Meinung | aus FALTER 28/09 vom 08.07.2009

Roger Federer kultiviert in seinem Sport technische und taktische Vielseitigkeit; gleichzeitig steht er in seiner Mehrsprachigkeit für kulturelle Vielfalt. Mit dieser Außenwirkung ist der Tennisstar zu einem der wichtigsten Schweizer Exportartikel geworden.

Während der viereinhalb Jahre, in denen er ununterbrochen die Weltrangliste anführte, wurde er zum Label für höchste Qualität – fehlerfrei und erfolgreich, wie er war. Dessen Suggestivkraft aber war trügerisch, denn in der Welt des Spitzensports liegt der Absturz näher als der ewige Triumph.

Das ging in der langen Regentschaft Federers vergessen, sodass seine sportlichen Probleme, die Anfang 2008 mit dem Pfeiffer’schen Drüsenfieber begannen, weitherum auf Unverständnis stießen. (…) Federer versteckte sich nicht hinter einem Schlagwort namens Krise, arbeitete weiter hart, glaubte an sich und fand so wieder den Weg an die Spitze. Er steht damit als Symbol für eine pragmatische Haltung in generell schwierigen Zeiten. Die Frage, ob Federer unterdessen endgültig der beste Tennisspieler der Geschichte ist, erscheint unter dieser Perspektive unwichtig. (…)

Viel interessanter und wichtiger ist die Botschaft, die hinter Federers Aufstieg, dem Abstieg und seiner Rückkehr steht: Nicht jammern, sondern prospektiv handeln. Auf dass man sich daran ein Beispiel nehme – nicht nur im Sport.“ Die Schweiz weiß, was sie an ihrem Federer hat: die Verkörperung idealen Schweizertums.

Quelle:

Elmar Wagner in der NZZ vom 6.7.2009


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