Kommentar

Homosexuelle Leistungsschau und die Paraden im Privaten

Regenbogenparade

Falter & Meinung | Christopher Wurmdobler | aus FALTER 28/09 vom 08.07.2009

Ob es jetzt 120.000 oder ein paar weniger waren, die da vergangenen Samstag auf der Wiener Ringstraße bei der Regenbogenparade schrill und laut auf sich aufmerksam gemacht haben, ist egal. Jedenfalls kamen viele zur alljährlichen Leistungsschau von Lesben und Schwulen. Andere fühlen sich von diesem bunten Haufen jedoch nicht repräsentiert – und blieben der Veranstaltung fern.

Tatsächlich ist oft unklar, wieso die Leute jeden Sommer für diesen Umzug auf die Straße gehen. Typen in SM-Lederoutfits, die als Pony eine Dominakutsche ziehen, Männer in Glitzerkleidchen, Frauen nur mit Farbe am Körper, Paradesponsoren mit leichtbekleidetem Personal, Damen, die Spannern primäre und sekundäre Geschlechtsmerkmale vor die Digitalkameras halten, und Herren in knappen Unterhosen – das kann doch nicht alles sein! Ja, es geht um Sichtbarkeit. Allerdings sind es diese Bilder, die hängenbleiben. Doch was war nochmal die Botschaft?

Die regierende SPÖ schickte die homosexuelle Vorfeldorganisation SoHo im roten Doppeldeckerbus und mit dem bescheidenen Slogan „Wir wollen mehr“ auf die Straße. Warum nicht gleich alles? Und vielleicht sollte man Forderungen nach Gleichstellung, Homoehe und so weiter besser parteiintern anbringen. Die Grünen klärten das Partyvolk immerhin mit einer Geschichtsbroschüre zur lesbisch-schwulen Emanzipationsbewegung auf; hoch auf dem grünen Wagen tanzten eine offen lesbische EU-Parlamentarierin und ein offen schwuler Gemeinderat. Dieser schlug bei seiner Rede an die queere Nation übrigens tägliche kleine Paraden im Privaten vor. Gute Idee. Da können dann auch die mitmachen, die sich am Ring nicht repräsentiert fühlen.


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