Nachgesehen

Der Schauplatz, am Tag nach dem Geschehen noch einmal betrachtet

Politik | Bernhard Riedmann | aus FALTER 28/09 vom 08.07.2009

20 Würfelzucker, ein Megafon und blutige Bilder aus dem Iran

Seit dem 12. Juni entzweit sich der Iran gewaltsam auf Teherans Straßen. Ebenso lange kämpft Hassan Nayeb Hashem im Wiener Exil auf seine Art: Er hungert. „20 Würfelzucker am Tag, also 300 Kalorien brauche ich, um meinen Körper nicht zu gefährden“, sagt der praktische Arzt. Im Iran sind die Proteste weitestgehend erstickt und damit auch das internationale Medieninteresse. In Wien finden sich hingegen nach wie vor jeden Tag dutzende Iraner vor der Uno-City ein. Sie haben Bilder von blutüberströmten Demonstranten auf ein weißes Partyzelt gehängt, Grablichter auf dem Platz verteilt. An diesem Morgen sind allerdings nur Hashem und seine Frau da, die heute den Aufbau des Standes übernommen haben. Der Aktivist will zumindest so lange hungern, bis in Teheran wieder demonstriert werden darf. Am Donnerstag könnte es so weit sein, hofft Hashem. „Jetzt muss ich aber frühstücken“, sagt er und fischt zwei Zuckerwürfel aus einer verbeulten Teedose.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige