Enthusiasmuskolumne

Diesmal: der beste Dicke der Welt der Woche

Feuilleton | Gerhard Stöger | aus FALTER 28/09 vom 08.07.2009

Willkommen in Mr. Johnstons Welt

Nach rund 20 Schaffensjahren kam der Singer/Songwriter Daniel Johnston im Oktober 2002 erstmals nach Wien. Der Brian Wilson des amerikanischen Popunderground in Gestalt eines XXL-Teddybären beeindruckte durch ein fantastisches Konzert und ein alles andere als alltägliches Angebot am Merchandise-Stand, bei dem unter anderem auch Originalbilder des Musikers und Künstlers feilgeboten wurden. Vierfärbige Comicwerke kosteten 1000 Schilling, die im Tourbus entstandenen Kulizeichnungen auf kariertem Notizblockpapier waren für einige Hunderter zu haben.

Nicht, dass es mich nicht gereizt hätte, aber letztlich siegte doch die pragmatische Vernunft: Wie bitte ein Kunstwerk sicher vom Flex nach Ottakring transportieren – zumal bei schlechtem Wetter und ohne mitgeführtem Kunsttransportbehelf? Eben. Also beließ ich es beim T-Shirt und einer CD. Das Shirt erwies sich als eine Nummer zu klein, die CD, eine vom Meister selbst erstellte und vervielfältigte Werkschau mit dem Titel „Please Don’t Feed the Ego Volume One“, läuft nur auf ausgewählten Geräten.

Inzwischen wurde der manisch-depressive Künstler mit der berührenden Stimme und den zwischen Teufelsaustreibung und kindlicher Unschuld angesiedelten Liedern durch eine preisgekrönte Filmdokumentation gewürdigt („The Devil and Daniel Johnston“), seit einiger Zeit werden auch die vergriffenen Platten neu aufgelegt. Die soeben erschienene CD „Welcome to My World“ enthält 21 meist katastrophal aufgenommene, aber durchwegs erschütternd schöne Lo-Fi-Perlen wie „True Love Will Find You in the End“, „Caspar the Friendly Ghost“, „Lennon Song“ oder „Devil Town“ und führt so in Johnstons wunderbares Frühwerk ein.

Und dessen Kunstwerke? Die kann man direkt über die Homepage www.hihowareyou.com erwerben. Ein Bild ist immer noch um einen Tausender zu haben, nur dass es mittlerweile nicht mehr Schilling, sondern Dollar sind. Nicht, dass es mich nicht reizen würde, aber …


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