Mit der Volksstimme in die Upperclass

Steiermark | aus FALTER 28/09 vom 08.07.2009

Nikolaus Harnoncourt zeigt Gershwins „Porgy and Bess“ bei der styriarte im Kontext der Moderne

Opernkritik: Herbert Schranz

Angesichts des politischen Umschwungs in den USA wirkt es als ahnungsvolle Koinzidenz, wenn die heurige styriarte unter ihrem Motto „Der Menschheit Würde“ George Gershwins Oper „Porgy and Bess“ ins Zentrum rückt. Ist „Porgy and Bess“ (1935) doch die erste große amerikanische Oper, geboren aus dem Studium der Spirituals, für das sich Gershwin in den Süden nach South Carolina begeben hatte. Béla Bartók hatte mit seiner introvertierten Kurzoper „Herzog Blaubarts Burg“ 1918 Ungarn noch als wenigstens musikalische Großmacht etabliert – ebenfalls aus intensiven Volksmusik-Studien heraus. Bei Gershwins Opernprojekt kam in Amerika der entscheidende soziale Faktor hinzu: Oper bedeutet besonders dort noch heute Upperclass. Die Spirituals aber bilden den Kern der hoffnungsvollen Musik der schwarzen einstigen Sklavenschicht.

Amerikanische Oper musste

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