Hundert Jahre Zeitausgleich

Befindlichkeitskolumne

Steiermark | aus FALTER 28/09 vom 08.07.2009

Dramatiker Johannes Schrettle ist zwar kaum in Graz, dennoch weiß er immer was von dort zu berichten

Flugzeuge im Bauch

Noch höher als die Gerechtigkeit soll der Staat die Freundschaft schätzen, meint Aristoteles. Dabei gibt es kulturelle Unterschiede: Ein Deutscher definiert in der Regel nur wenige Mitmenschen als Freunde, höchstens einen oder zwei. Ein Nordamerikaner gewinnt im Laufe seines Lebens immer mehr Freunde. Ferner kann man kategorisieren zwischen Freundschaft unter Gleichen und Freundschaft unter Ungleichen. Zweiteres wäre die Freundschaft mit einem höheren Wesen (so ist etwa Maria ihren irdischen Weg in unbefleckter, ungetrübter Freundschaft mit Gott gegangen), einem niedrigeren Wesen (der beste Freund des Menschen) oder einem Flughafen, wie er vom Verein der Freunde vom Flughafen Graz (auch: Flughafenfreunde) gepflegt wird. Die Beziehung von Flughafen zu Flughafenfreund folgt allerdings weniger dem griechischen Ideal als einem unverbindlichen, lustbetonten: Freundschaft ist die Summe aller Dinge, über die man einander Freude und Lust bereiten kann (Foucault), also Geldspenden, Bonuscards etc... Wer sich von einer Freundschaft mehr erhofft, soll Myspace beitreten und dort alle mit friends requests zupflastern. In der Regel kommen dann 20-30 Prozent Ablehnungen und fünf Prozent hoch erfreute, freundschaftsbereite Mails mit Lebensdetails, die auch der beste Freund nicht wissen sollte. Der Rest schreibt: Hey, Danke fürs Anfreunden! oder: danke fürs adden, bussi, Stina aus Graz. Und das ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft.


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