Phettbergs Predigtdienst

Ich bin mein eigener Albtraum

Kolumnen | aus FALTER 28/09 vom 08.07.2009

Hermes Phettberg führt seit 1991 durch das Kirchenjahr

Ein Schreibtisch-Flächen hab ich riesig! Sonst hab ich nichts. Allein trotte ich vor mich hin. So kriegt der Falter nun eine Kolumne eines Sterbeprozess-Inhabers! Wenn ich schon sonst nichts kann, so kann ich wenigstens studiert werden. Zum Maturieren war ich zu schwach, zum Begehrtwerden war ich zu unbegehrenswert?

Ich bin mein eigener Albtraum, klar. Wie ich auch meine eigene Stief-oma bin. Alles musst du dir selbst basteln! Also hab ich nur noch eine Arbeit vor: den Tod, wenn ich dann 107 sein werde. Dazwischen liegt eine ewige Durststrecke. Aber so viele (fast alle) Menschen sind ganz lautlos verstorben. Diese Kommunikationslosigkeit tut verdammt weh!

Gott sei Dank hab ich testamentarisch verfügt, dass bei meinem Begräbnis kein röm.-kath. Funktionäry mich beerdigen wird. Nur eine Kerze soll brennen. Und keine Musik, keine Reden. Alles muss still vor sich gehen. Gott sei Dank ist das vor Gericht dokumentiert! Und da die Mühlen der österreichischen Bürokratie noch langsamer sind als ich, wird dies bis zu meinem 107. Geburtstag verlässlich aufgehoben. Da kann die röm.-kath. Kirche daherkommen, wie sie will! Ich werde nicht anständig bestattet!

Da ich bei meinem Begräbnis nichts mehr mitzureden haben werde, mache ich totaler Haftlmacher mir darob größten Stress. Ob das nur ja alles schön formell geschähe! Ein wolkenverhangener Tag wie heute wäre so ideal zur Probe! Noch dazu, wo ich doch heute beim Frisör Tom die Haare schön gewaschen kriege. Denn als Leiche wirst du ja auch schön leichengewaschen. Schmutzig kommt keine Leiche in den Sarg! Basta! Die Behörden achten auf alles. Ja, nie liiert heißt auch: nie leben gelernt. Also komm ich ohne Erfahrung in den Sarg.

Natürlich würde ich hellauf lachen, wenn ich nach meinem Tod den Bericht der Pathologie über Hermes Phettberg lesen könnte und sich dann eine Winzigkeit als Todesursache herausstellte. Doch es wird gar keine pathologische Untersuchung geben. Denn in Armengräbern wird nur darauf geschaut werden, dass die Leiche gehörig gewaschen wird. Und nur ja mit keinem schmutzigen Arsch in den Sarg kommt! Und wenn die Behörde einen Fehler des Leichenwäschys herausfände, gäb’s ordentliche Hiebe! Nun geh ich zu Tom Haare waschen.

Die ungekürzte Version des Predigtdienstes ist über www.falter.at zu abonnieren.

Unter www.phettberg.at ist wöchentlich neu zu lesen, wie Phettberg strömt


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