Fragen Sie Frau Andrea

Killing Me Softly With This Fleck

Kolumnen | aus FALTER 28/09 vom 08.07.2009

Andrea Maria Dusl beantwortet knifflige Fragen der Leserschaft

Liebe Frau Andrea,

hier eine Frage: Hierzulande dürfte das Wörtchen „Fleck“ gleich mehrere Bedeutungen haben: Im Zusammenhang mit Steinobst ist es Kuchen, in der Gastronomie eine Kellnergeldbörse, in der Schule eine schlechte Note und auf der Hose ein Ärgernis.

Wieso ist das so?

Was bedeutet das Wort, und kennen Sie noch mehr Flecks (abgesehen vom gleichlautenden Wiener Club am Donaukanal)?

Marius Fleck,

Wien 6, per Elektropost

Lieber Marius,

die Sprachuntersucher sind sich nicht ganz sicher, wo genau sie den Fleck hintun sollen. Das Wort treibt sich in einer Sippe herum, zu der auch Placken und Flicken, ja sogar Fleisch und Flasche gehören. Am wahrscheinlichsten ist eine nahe Verwandtschaft des Fleck oder des Flecken mit der „Fläche“.

Über das Lateinische und Griechische wäre es mit so illustren Wörtern wie Platz und Platte, Piazza und Pizza verwandt und würde simpel „flach“ oder „das Flache“ bedeuten.

Die Underground-Romantik-Bar Flex heißt nach der gleichlautenden elektrischen Handmaschine mit schnell rotierender Schleifscheibe. Der intensive Gebrauch des Winkelschleifers bei der Erzeugung robusten, punkgerechten Mobiliars soll bei der Namensgebung des legendären Ur-Flex in der Meidlinger Arndtstraße Pate gestanden haben.

Obwohl frühmorgendliche Inspektion der Örtlichkeit dies nahelegen würde, ist der Name Flex nicht mit den Flecken verwandt, sondern mit dem Wortstamm flechten, biegen.

Flex kommt nämlich von flexibel, und flexibel ist die Antriebswelle des Winkelschleifers. Nicht vergessen wollen wir, dass sich in der Kellnerbrieftasche früher auch gerne der blaue Tausendschillingschein aufhielt, gaunersprachlich ebenfalls „Fleck“ genannt.

Die wienerische Bezeichnung Fleck für einen Pinsch, Potzn oder Fetzen, die Zeugnisnote Fünf, erklärt sich aus der Angepatztheit, die diese Beurteilung schulkarrieremäßig nach sich zieht.

Zu guter Letzt wollen wir auch Frau Roberta Flack in Erinnerung rufen. Die US-amerikanische Soulsängerin brachte uns 1973 ganz sanft um die Ecke mit dem Lied: „Killing Me Softly with His Song.“


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige